Our House is on Fire heißt die Biografie von Greta Thunberg, mit Männer, die die Welt verbrennen ist Christian Stöckers Plädoyer für die Energiewende überschrieben. Die Debatte über die Klimakrise und die notwendigen politischen Anpassungsstrategien ist durchdrungen von sprachlichen Bildern der Erwärmung, Verbrennung und Überhitzung. Dabei ist das Nachdenken mithilfe thermischer Metaphern viel älter als die ökologische Krise unserer Gegenwart.

So erfreuen sich beispielsweise schon im 18. Jahrhundert Theorien des Klimadeterminismus großer Beliebtheit, später prägen Dichotomien von ‚heiß‘ und ‚kalt‘ das Vokabular sozialer Theorien. In der Weimarer Republik entsteht um Figuren wie Bertolt Brecht und Helmuth Plessner ein regelrechter ‚Kältekult‘. Mit der Kybernetik wird dann die Entropie zur universalen Beschreibungskategorie sozialer und technischer Systeme und zur Zeit des Kalten Krieges laden fossile Energieträger, atomare Technologien und industrielle Beschleunigung die thermischen Semantiken politisch neu auf. Denker wie Claude Lévi-Strauss sprechen zu dieser Zeit von ‚heißen und kalten Kulturen‘, Marshall McLuhan von ‚heißen und kalten Medien‘ und Ernst Bloch vom ‚Wärme- bzw. Kältestrom‘ im Marxismus.

Das Seminar geht von der These aus, dass thermische Metaphern nicht bloß sprachliches Ornament sind, sondern politische Imaginationen von Fortschritt und Krise strukturieren. In einer historischen Genealogie, die von Montesquieu bis Hito Steyerl reicht, untersuchen wir, wie Hitze und Kälte als diskursive Ressourcen eingesetzt werden, welche Modelle gesellschaftlicher Entwicklung sie implizieren und welche normativen Anforderungen an Subjekte und Kollektive damit verbunden sind. Ziel ist es, thermische Rhetorik als zentrale Denkfigur der Moderne freizulegen und ihre politische Wirkmacht bis in die Gegenwart sichtbar zu machen.

Was macht eine Ausstellung aus? Bei dieser Frage fällt der Blick wohl zuerst auf die ausgestellten Exponate, sauber gehängt auf weißen Wänden, betont durch gezielte Lichtsetzung, begleitet durch Texte, die sie mal er-, mal verklären.

Dieses Seminar widmet sich dem Medium Ausstellung und seiner Funktionsweise. Einerseits beschäftigen wir uns mit der Frage, was passiert, wenn ein Gegenstand innerhalb einer Ausstellung zum Exponat und damit zum "Semiophor" (Pomian) bzw. bedeutungstragenden Gegenstand wird, der über die Ausstellung hinaus auf Welt bzw. die "Bewandnisganzheit" (Klein) verweist, der er entstammt.

Andererseits blicken wir neben und hinter die Exponate und untersuchen, welche anderen Aspekte des Mediums Ausstellung dafür sorgen, dass Exponate überhaupt zu Exponaten werden können: Architektur, Vitrinen, Beleuchtung, Texte, letztendlich die Autorität der ausstellenden Institution. all das sind Faktoren, die die Exponate erst als solche les- und erfahrbar machen, und an ihrer Bedeutung maßgeblich mitarbeiten.

Ausgehend von dieser Gemengelage soll das Ausstellen in der Gegenwart analysiert und historisiert werden, um einen Blick auf die neben den Exponaten oft ungesehenen Spezifika des Mediums zu gewinnen, und die Frage zu stellen, wie viel einer Ausstellung überhaupt von den Exponaten bestimmt wird, und wieviel von der gegenwärtigen Gestalt des Dispositivs Ausstellung.

Diese Erkenntnisse sollen für die Praxis der Studierenden fruchtbar gemacht werden, für die Analyse von Ausstellungen einerseits, und für die eigene Ausstellungspraxis andererseits.

Die Veranstaltung zielt darauf ab, Fotobücher in all ihren Facetten systematisch zu analysieren: Gestaltung, Typografie, Größe, Materialität, Haptik, Text, Bilder und Bildfolge, Editionsgeschichte. Daneben werden wir uns mit Fragen der jeweiligen Zeit sowie des jeweiligen Inhalts / Themas beschäftigen und tief gehende Recherchen anstellen. Während des Semester wird ein Austausch mit einem ännlichen Kurs an der KHM Köln stattfinden. Am Ende des Semesters soll jeweils zu zweit ein Video aufgenommen werden, das eine Diskussion über ein Fotobuch zeigt.

Das Archiv Michael Schmidt ist seit 2024 als Dauerleihgabe Teil der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang. Es bewahrt umfassend Werke und Dokumente aus Leben und Karriere des stilprägenden Fotokünstlers Michael Schmidt (1945-2014) und macht diese zugänglich.

Wie kommt ein Archiv zustande? Wie entwickeln sich seine spezifischen Ordnungen und Unordnungen? Und nicht zuletzt: Von welchem Punkt aus nähert man sich einem so umfangreichen Archiv und wie findet man genau das, wonach man nie gesucht hat? Das Seminar geht von einer möglichen Antwort auf diese letzte Frage aus: Jeder Einstieg ins Archiv bietet die Möglichkeit, Entdeckungen zu machen und Interessen zu entwickeln. Das Archiv ist ein Arbeitsspeicher: Random Access Memory.

Im Laufe des Seminars nähern wir uns so Aspekten des fotografischen Schaffens Michael Schmidts, entwickeln Fertigkeiten im Umgang mit Archivmaterial und beleuchten die Institutionen Museum und Archiv.


Nicht allein fotografische Bilder werden fortlaufend in bemerkenswerter Geschwindigkeit produziert. Ganz scheint es so, als wolle der wissenschaftliche Diskurs zur Fotografie mit einer solchen Entwicklung mithalten. Denn längst ist die Zahl an Publikationen, die sich theoretisch wie historisch für das Fotografische interessieren, unüberschaubar geworden. Ein Seminar zu „Neuer Fototheorie“ kann also gar nicht anders als einen kleinen Ausschnitt aus sehr viel umfassenderen Debatten in den Blick nehmen. Gerade dies aber ist die Idee: Im Sinne eines „Journal Club“ sollen neue Texte nicht entlang eines bestimmten thematischen Schwerpunkts ausgewählt werden, gesucht wird statt dessen eine große Breite möglicher Fragestellungen und Thesen, die gegenwärtig zur Fotografie publiziert werden.

Das Seminar soll dazu dienen, wichtige Neuerscheinungen der Fotografie-Forschung miteinander kritisch zu diskutieren. Zur Debatte stehen sowohl Texte mit einem ästhetischen, bildtheoretischen bzw. systematischen Fokus als auch solche mit einem eher historiografisch gefassten Interesse. Die Auswahl der Aufsätze bzw. Kapitel wird dabei so getroffen, dass jeder Text einerseits eine Einführung in zentrale thematische Felder der zeitgenössischen Forschung darstellt, andererseits aber auch dazu dienen kann, grundlegende methodologische Fragen miteinander zu besprechen. Zu Beginn des Semesters stehen alle Texte in einem PDF-Reader zur Verfügung.