Ob „Fridays for Future“ oder „Die neue Generation“ (vormals „Die letzte Generation“) – die gegenwärtig global agierenden Klimaprotestbewegungen verweisen auf ein erstarkendes Bewusstsein für Umweltfragen: steigende Meeresspiegel, die Zunahme von Erdbeben, Tsunamis und Fluten, Hitzewellen, Artensterben, maßloser Ressourcenverbrauch und vieles mehr sind Gegenstand politischer Forderungen und gesellschaftlicher Debatten. Unser tägliches Handeln gilt längst nicht mehr als folgenlos, sondern wird stets ins Verhältnis zu unserem komplexen Lebensraum gesetzt.

Mit dieser Entwicklung geht auch eine Verschiebung zentraler Denkfiguren einher, die insbesondere in der Medienwissenschaft wirksam geworden ist. Medien werden zunehmend nicht mehr als klar abgegrenzte, technische Entitäten verstanden, sondern als Umwelten, d.h. als komplexe Gefüge aus Infrastrukturen, Materialitäten und Praktiken. Der Begriff der Ökologie gewinnt dabei eine doppelte Bedeutung: Er bezeichnet sowohl einen Gegenstandsbereich als auch einen Denkmodus, der Relationen, Abhängigkeiten und Zirkulationenin den Blick nimmt. Medienökologie fragt entsprechend nach den materiellen, energetischen und infrastrukturellen Bedingungen medialer Prozesse.

Auch die Bildwissenschaft und die jüngere Fotoforschung greifen diese Perspektive auf. Im Fokus historischer und theoretischer Auseinandersetzungen stehen die Ressourcen der Bildproduktion: seltene Erden und Mineralien, die für Smartphones benötigt werden, ebenso wie Gelatine, Salz und Silber, die in chemisch-analogen Fotografieverfahren zum Einsatz kommen. Bilder erscheinen so als Knotenpunkte globaler ökologischer Kreisläufe und politischer Konflikte.

Das Seminar untersucht diese medien- und bildökologischen Fragestellungen in historischer wie systematischer Perspektive. Dabei bewegen wir uns in einem Vexierbild, in dem sowohl die Bilder und Medien der Ökologie als auch die Ökologie der Bilder und Medien zum Vorschein kommen.