Bei diesem Seminar ist auf den Plural im Titel zu achten, denn es geht nicht um das allgemeine Schreiben über „Fotografie“ überhaupt, sondern um das Schreiben über Fotografien, also um die Auseinandersetzung mit einzelnen fotografischen Objekten. In den letzten etwa fünfzehn Jahren hat sich vor dem Hintergrund eines fortgesetzten Interesses an der Fotografie in Zeiten ihrer Allgegenwärtigkeit eine Art neues Subgenre herausgebildet, das irgendwo zwischen Essay, Literatur, Autofiktion und Theorie angesiedelt ist und sich in kurzen Texten einzelnen Fotografien widmet. Dabei geht es nie um eine rein kunsthistorische oder theoretische Betrachtung „von außen“, sondern um ein je persönliches, mitunter intimes Einlassen auf die Bilder. Der Grad der individuellen Annäherung ist dabei sehr unterschiedlich. Während sich Bernd Stiegler und Felix Thürlemann in ihrem klassischen „Meisterwerke der Fotografie“ beispielsweise nur sehr zaghaft, dafür aber umso interessanter aus einer wissenschaftlichen Betrachtung herauswagen, steht für Annie Ernaux dem Titel ihres Buches gemäß ihr intimer „Gebrauch der Fotografie“ im Mittelpunkt, wobei fotografische Betrachtungen eher als Nebenprodukt eines erotischen Resümees einer Affäre auftreten, die die Autorin mit dem Fotojournalisten Marc Marie Anfang der 2000er-Jahre unterhielt.

Im Seminar wollen wir zunächst einige besonders gelungene (und vielleicht auch besonders misslungene) Texte dieser Art lesen, um dann vor allem selbst ins Schreiben zu kommen. Die Teilnehmer*innen sind aufgefordert, eigene Texte dieser Art zu verfassen, die anschließend im Seminar kritisch diskutiert werden. Dabei sollen spezifische Fragen des wissenschaftlichen und literarischen Schreibens sowie Aspekte von Autorschaft, Situierung und dem „Crossover“ zwischen den Genres zur Sprache kommen, die das Schreiben bereits im Studium prägen.